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TIKIU. VADINASI, ESU.
Anlässlich des 140. Geburtstags von S. Šalkauskis

Von 1916 bis 1920 studierte Stasys Šalkauskis Philosophie an der Universität Freiburg in der Schweiz. Zu dieser Zeit war die Universität katholisch geprägt. Sie galt als bedeutendes intellektuelles Zentrum des europäischen Katholizismus, und die dort gelehrten Sozial- und Wirtschaftswissenschaften stützten sich auf die christliche Lehre. Während seines Studiums an der Universität lernte S. Šalkauskis die Neoscholastik kennen. Er nahm die Ideen der thomistischen Philosophie an, hielt sie für richtig und sah in ihnen Antworten auf viele Fragen.

Der Dozent, der an der Universität Freiburg den größten Eindruck auf Stasys Šalkauskis hinterließ, war Professor Marc de Munnynck, der, wie aus dem Studienbuch von S. Šalkauskis hervorgeht, ihm mehrere Fächer unterrichtete. S. Šalkauskis knüpfte freundschaftliche Beziehungen zu M. de Munnynck und machte ihn mit Litauen bekannt. M. de Munnynck unterstützte die litauischen Studenten und beteiligte sich an ihren Aktivitäten. S. Šalkauskis hielt auch nach seinem Universitätsabschluss und seiner Rückkehr nach Litauen den Kontakt zu seinem ehemaligen Dozenten aufrecht.

S. Šalkauskis verteidigte an der Universität Freiburg seine Doktorarbeit mit dem Titel „Die Seele der Welt in der Philosophie von Wladimir Solowjow“ („L’âme du monde dans la philosophie de Vladimir Soloviev‘). Bereits während seines Studiums in Moskau lernte S. Šalkauskis die Philosophie des russischen Denkers Vladimir Soloviev kennen. Indem er sich in seiner Dissertation für die Untersuchung der Philosophie von V. Solowjow entschied, wollte S. Šalkauskis die Bedeutung seiner Ideen aufzeigen. Den Ideen von V. Solowjow stellte S. Šalkauskis die Philosophie des Thomas von Aquin gegenüber. Und die Ideen von W. Solowjow hielten, wie S. Šalkauskis selbst einräumte, der Kritik nicht stand. S. Šalkauskis schrieb: “Ich erkannte die schier unendliche Kraft der Logik des Aquiners: Seitdem neige ich dazu, die thomistische Philosophie als das größte Wunder des menschlichen Verstandes anzusehen.„

Während seines Studiums in Freiburg lernte S. Šalkauskis Menschen kennen, mit denen er sein ganzes restliches Leben lang in Kontakt blieb. Dazu gehörten Juozas Eretas, Vincas Mykolaitis-Putinas, Kazys Pakštas und andere. Zu dieser Zeit studierten viele junge Menschen aus Litauen an der Universität Freiburg. Die Litauer in der Schweiz waren sehr aktiv und schlossen sich in eigenen Vereinen zusammen. Eine dieser Vereinigungen war „Lithuania“. S. Šalkauskis war eines der aktivsten Mitglieder dieser Vereinigung. Die Mitglieder von „Lithuania“ bereiteten sich auf ihre zukünftige Arbeit in der Heimat vor.

Während seines Studiums an der Universität Freiburg verfasste S. Šalkauskis die Monografie “Zwischen zwei Welten: Eine Synthese zur Frage der litauischen nationalen Zivilisation” (“Sur les confins de deux mondes: essai synthétique sur le problème de la civilisation nationale en Lituanie”). In diesem Werk reflektierte er über den Platz Litauens in Europa und in der Welt und brachte die Idee zum Ausdruck, dass die wichtigste Aufgabe der litauischen Kultur in der Synthese der östlichen und westlichen Zivilisationen bestehe. Die Mission Litauens besteht darin, die Elemente dieser beiden Kulturen in sich zu vereinen und ihr Gleichgewicht zu wahren. Laut S. Šalkauskis “leben die Litauer an der Grenze zwischen Ost- und Westeuropa und vereinen in sich die Elemente dieser beiden Welten”.
